Hebammenpraxis St. Gallen

Erfahrungsberichte

Alles zu seiner Zeit

Mein Name ist Aleksandra, ich bin 25 Jahre Alt und am 22.10.2017 Mutter eines kleinen Engels Namens Maksim geworden. Wie wahrscheinlich alle werdenden Mütter habe ich mich im Internet, diversen Broschüren und Apps über die Schwangerschaft und Geburt erkundigt.

Als ich am 07.02.2017 einen von 4 Schwangerschaftstest gemacht habe, konnte ich meine Gefühle nicht einordnen. Bin ich Glücklich, bin ich Traurig, was passiert gerade. Sehr viele Gedanken gingen durch meinen Kopf. Die Tage vergingen und ich konnte es immer noch nicht glauben, dass ich das Glück habe ein Lebewesen in meinem Bauch zu tragen. Ich konnte es kaum erwarten, die Kindsbewegungen zu spüren. Der Verlauf meiner Schwangerschaft war wunderschön, ich hatte keine Übelkeit oder Stimmungsschwankungen (so denke ich, aber weiss nicht genau was mein Mann dazu meint ?) oder sonstige Beschwerden. Schon bevor ich Schwanger wurde, habe ich mir fest vorgenommen und war davon überzeugt, dass die Schwangerschaft eine der schönsten Lebensabschnitte für mich sein wird. Die Wochen vergingen, ich konnte es kaum abwarten wieder beim Frauenarzt vorbei zu gehen um den kleinen Wurm zu sehen und zu hören wie sein Herz pocht.

Als ich im vierten Monat Schwanger war, hat uns der Frauenarzt verkündet, dass wir ein Mädchen erwarten. Voller Freude habe ich angefangen Mädchen Kram zu besorgen und mich riesig gefreut. Bei jeder weiteren Kontrolle, war es immer noch ein Mädchen. Um die 30 SSW waren wir erneut bei einer Kontrolle, da hiess es auf einmal: oohhh ich glaube es ist doch kein Mädchen. Für mich war es zu diesem Zeitpunkt ein Schock, denn ich habe mein Kind mit Sie angesprochen und mich auf ein Mädchen eingestellt. Ich brauchte gute zwei Wochen und eine Zweitmeinung bei einer anderen Frauenärztin, bis ich mich über einen Jungen freuen konnte. Es tat in meiner Seele weh, dass ich mich nicht sofort freuen konnte, aber die Umstellung war drastisch. Nichts desto trotz, habe ich mich an den Gedanken gewöhnt und konnte mich nun der Farbe Blau widmen.

Betreffend der Geburt wollte ich mir eigentlich nie gross Gedanken machen. Denn es war ja ein Schmerzhaftes und schlimmes Ereignis, wie man von vielen Frauen gehört hat. Bis dahin, habe ich keine einzige Geschichte über eine schöne oder normale Geburt gehört. Im Nachhinein finde ich das absolut traurig.

War ich froh als ich im Internet auf einen Artikel betreffend HypnoBirthing stiess, in dem eine Frau berichtete, dass sie die Geburt als ein wunderschönes Erlebnis empfand. Da war mir klar, genau das möchte ich auch. Also suchte ich im Internet nach jemanden der mir mehr über HypnoBirthing erzählen konnte. Die Hebammenpraxis St. Gallen, sprach mich auf Anhieb an. Also rief ich an und bekam einen Termin für eine Hebammen Sprechstunde.

Da traf ich die Wunderbare Sarah Castiglioni, eine Frau die so eine wundervolle Art hat, dass man sie einfach Umarmen möchte. Also bei mir ist das halt so, entweder ist mir eine Person sympathisch oder nicht. Wenn ja, dann gehören Umarmungen einfach dazu ?

Auf jeden Fall durfte ich bei Sarah, in diverse Beratungen, Akupunktursitzungen und mich bei Fragen und Ängsten an Sie wenden. Gemeinsam mit meinem Mann, haben wir einen
Geburtsvorbereitungskurs bei Ihr besucht, in dem wir alle Fragen stellen konnten die uns brennend interessierten. Empfohlen hat Sie mir betreffend HypnoBirthing das Buch von Marie F. Mongan, welches ich mir auch sofort besorgte. Beim lesen des Buches, wurde mir erst so richtig bewusst, das gebären die normalste Sache der Welt ist. Wie sollte etwas, dass so natürlich ist, schmerzen?

Ungefähr fünf Wochen vor dem Geburtstermin haben wir mit der Akupunktur zur Geburtsvorbereitung angefangen. Diese habe ich jedes Mal sehr genossen, vor allem die Bauchmassagen, Fussmassagen und einfach die Gespräch mit einer erfahrenen Frau.

Betreffend der Geburt, hatte ich gewisse Vorstellungen, Erwartungen und Wünsche wie dies alles ablaufen soll.

Wie das nun mal so ist, können wir in unserem Leben weder etwas gross beeinflussen, bestimmen noch etwas vorhersagen. Da ich nun mal aber ein Mensch bin, der alles gerne im Voraus plant, wünschte ich mir für das Geburtsdatum den 30.09.2017. Wieso dieses Datum? Nun ja, es war einfach ein schönes Datum - September assoziiere ich mit warmen Herbsttagen, die Bäume sind alle bunt gefärbt und es riecht noch nicht nach Winter. (Winter mag ich nicht, ausser ich muss nicht aus dem Haus)

Mein kleiner Schatz, hat mir dann wieder eine Lektion erteilt und wollte kommen, wenn er dafür bereit war. Ich muss gestehen, auch ich war vorher noch nicht bereit meinen kleinen Schatz mit irgendjemandem zu teilen, ihn mir ausserhalb meines Bauches vorzustellen.

Am Eigentlichen Geburtstermin vom 11.10.2017 ging ich in Spital zur Kontrolle. Dem Baby ging es wunderbar, die Herztöne konnten wir durch das CTG sehr gut hören und Fruchtwasser war genügend vorhanden. So ging ich jeden dritten Tag in die Kontrolle bis zum 19.10.2017. Auch da war mit dem Baby alles in Ordnung. Im Spital besteht eine Regelung, dass die Einleitung der Geburt spätestens zehn Tages nach dem errechneten Geburtstermin erfolgen muss. Für mich war dies eine schreckliche Vorstellung, dass Kind auf diese Welt zu zwingen. Niemand macht etwas, wenn er nicht dazu bereit ist. Wohl oder übel musste ich mich damit abfinden, dass der kleine Prinz am Samstag 21.10.2017 auf die Welt kommen würde.

Jedoch gab ich die Hoffnung von einer Spontangeburt noch nicht ganz auf und war froh nochmals einen Termin bei Sarah zur Geburtsvorbereitung zu haben. Ich konnte es kaum erwarten Ihr von diesem, für mich schrecklichen, Tag zu berichten. Völlig aufgelöst und unter Tränen erzählte ich ihr, wie gross meine Angst vor der Einleitung war, dass dies nicht natürlich ist und das Baby doch kommen darf wann es möchte. Ich muss noch sagen, alle möglichen Massnahmen zur natürlichen Geburtseinleitung wurden getroffen und durchgesetzt. Stunden lang bin ich spazieren gegangen, habe scharf gegessen, Fondue und Raclette verschlungen, einen Wehen Cocktail getrunken, Treppen rauf und runter gestiegen, Rosmarinbäder gemacht, Massagen und Akupunktur Sitzungen besucht. Einzig Sex und ein Einlauf kamen für mich nicht in Frage. Wir haben daraufhin im Spital angerufen und die Situation erklärt, dass es dem Baby und mir gut geht. Ich war absolut damit einverstanden jeden Tag zur Kontrolle zu gehen und wenn das Baby wirklich nicht kommen möchte, am Montag 23. 10.2017 die Geburt einzuleiten. Damit konnte ich mich abfinden und auch mental darauf vorbereiten. Hier möchte ich noch betonen, wäre mit meinem Kind oder mir etwas nicht in Ordnung gewesen, hätte ich der Einleitung sofort zugesprochen.

Nun denn, am 21.10.2017 gingen wir morgens um halb neun zur Kontrolle. Zuerst wurde ein Ultraschall gemacht um das Fruchtwasser zu untersuchen und danach noch ein CTG um die Herztöne des Kindes abzuhören. Ich war erleichtert, als ich wieder nachhause durfte und die Geburt nicht eingeleitet wurde. Am Nachmittag verspürte ich immer wieder ein Ziehen im Unterleib, habe mir aber nichts dabei gedacht. Nach dem ich mit meiner Schwester am Jahrmarkt war und wir uns den Bauch mit vielen Leckereien vollgeschlagen haben, freute ich mich auf Zuhause und mein Bett.

Um ca. 20.00 Uhr wurde mir so richtig bewusst, dass es sich um Wellen handelt, denn sie kamen und  gingen alles 5-7 Minuten. Wahrscheinlich hatte ich auch schon am Nachmittag Wellen, jedoch waren diese nicht so intensiv und in einem grösseren Zeitabstand. Ich kann euch sagen, ich habe mich richtig gefreut, als es endlich losging. Endlich wellen, endlich werde ich meinen kleinen Schatz sehen, endlich, endlich, endlich. Total entspannt, habe ich während den Ruhephasen die Kliniktasche fertig gepackt, meinem Mann Brötchen gemacht, mich geduscht und natürlich geschminkt. Wieso auch immer ich mich geschminkt habe, ist mir bis heute nicht klar. Um ca. 24.00Uhr wurden die Wellen stärker und der Abstand pendelte sich bei fixen 5 Minuten ein. Also beschloss ich Kerzen und eine Duftlampe im Wohnzimmer anzuzünden, HypnoBirthing Musik über Spotify abzuspielen und es mir auf dem Sofa bequem zu machen. Jede Welle konnte ich veratmen und war völlig entspannt. Dies ging die ganze Nacht bis ca. 07.00 Uhr sehr gut, schlafen konnte ich nicht, jedoch fühlte ich mich auch noch nicht müde oder schlapp. Um 07.30 Uhr habe ich mich im Krankenhaus gemeldet und über meine Nacht berichtet. Da es für mich wichtig war, dass es dem Baby gut geht, wollte ich zur Kontrolle ins Spital.

Um ca. 10.00 Uhr fuhren mein Mann und ich in Spital, dort angekommen wurde ich ans CTG angeschlossen. Die Hebamme welche für mich zuständig war, untersuchte mich vaginal um zu
überprüfen um wie viele Zentimeter sich der Muttermund geöffnet hat. Nach über 12 Stunden Wellen hatte sich mein Muttermund 2 Zentimeter geöffnet. Gemäss der Hebamme hätten wir
nochmals Nachhause gehen dürfen, jedoch wollte ich unbedingt in die Badewanne und mich dort entspannen. Zwar haben wir zuhause eine Badewanne, ich hätte auch reingepasst aber
rausgekommen wäre ich bestimmt nicht mehr. In der Badewanne fühlte ich mich so richtig Wohl und konnte die Wellen welche nun im 3-4 Minuten abstand kamen sehr gut veratmen. Auch im Spital habe ich weiterhin meine HypnoBirthing Musik abgespielt und war in meiner eigenen Welt.

Um ca. 12 Uhr hat die Hebamme nochmals meinen Muttermund kontrolliert, dieser war nun bereits bei 3 Zentimeter. Dies war für mich ein riesiger Powerschub und motivierte mich weiter zu machen. So verging die Zeit bis ca. 14.30 Uhr und die Wellen wurden nochmals Intensiver und kamen nun Regelmässig in 2 - 3 Minuten abständen. Nach einer weiteren Kontrolle, teilte mir die Hebamme mit, dass der Muttermund sich noch nicht weiter geöffnet hat und weiterhin bei den 3 Zentimetern war. Eigentlich wäre dies auch in Ordnung gewesen, denn alles benötig seine Zeit. Aber langsam wurde ich müde und meine Kräfte verliessen mich, da ich nicht geschlafen habe und mich die Müdigkeit langsam einholte. Auch die Motivation hat mich irgendwann verlassen, denn wie kann es nach über 15 Stunden Wellen sein, dass mein Muttermund nur 3 Zentimeter geöffnet war. In der Zwischenzeit hat die Hebamme die Fruchtblase geöffnet, da dies eventuell den Geburtsverlauf beschleunigt.

Ich bat die Hebamme mir ein Zäpfchen zur Schmerzlinderung zu geben, denn ich war immer noch von einer natürlichen Geburt ohne PDA überzeugt. So zog sich das nochmals bis ca. 15.30 Uhr hin. Der Muttermund hat sich auch jetzt nicht weiter geöffnet und war bei seinen 3 Zentimetern. Nun konnte ich mich nicht mehr richtig konzentrieren und die Zeitverzerrung war extrem. Sekunden kamen mir wie Stunden vor, die Wellen dauerten eine Ewigkeit und waren sehr intensiv. Ich muss erwähnen, geatmet habe ich aber immer nach HypnoBirthing damit mein Kind immer genügend Sauerstoff erhält. Zu jedem Zeitpunkt waren die Herztöne vom Baby optimal. Damit es mir leichter ging und ich mich etwas entspannen konnte, schlug mein Mann die PDA a vor und ich willigte ein. Die PDA hat mir wirklich einiges erleichtert. Ich konnte mich ca. 5 min richtig entspannen, Wasser trinken und meinen Humor auch in dieser Situation spielen lassen. Die PDA fühlt sich so an, dass man die Hände und Beine vollkommen bewegen konnte. Einzig der Bauch war taub, aber nicht gefühlslos. Jede Welle konnte ich spüren und diese dementsprechend veratmen.

Auf einmal verspürte ich um ca. 17.00 Uhr den Drang zu drücken, so ähnlich wie wenn man Stuhlgang hat aber nichts kommt. (Entschuldigung betreffend dem vergleich, aber mit etwas Anderem kann ich es nicht vergleichen) Ich teilte dies der Hebamme mit und sie untersuchte den Muttermund und konnte es kaum fassen, dass sich der Muttermund auf 9 Zentimeter geweitet hat. Jetzt dachte ich, es kann nicht mehr lange dauern bis ich den kleinen Mann in meine Arme schliessen kann. Die Wellen spürte ich weiterhin und der Druck kam und ging. Dies zog sich alles bis ca. 19.30 Uhr hin als der Druck konstant zu spüren war und ich den drang verspürte ausschliesslich nach unten zu atmen. Dies war mir sehr wichtig, nicht pressen, sondern schieben. Also konzentrierte ich mich von nun an nur noch auf den Druck und meine Atmung. Es ging nun alles sehr schnell, die Hebamme meinte man sehe schon den Kopf.

Eigentlich wollte ich immer im Stehen gebären, wegen der Erdanziehung oder so. Nun lag ich aber auf dem Bett in Seitenlage, da ich mein Bein nicht selber nach oben halten konnte, stütze ich es auf die Hüfte der Hebamme. Ich war so froh, hatte ich so eine tolle Hebamme die mich wirklich super unterstützt hat, bei jeder Welle hat sie mir gesagt was zu tun ist. Jetzt atmen, jetzt schieben oder jetzt nicht schieben.

Soweit ich mich erinnern kann, kam der Kopf nach ca. 5 kräftigen Wellen heraus. Nun fehlte noch der Körper. Jedoch gönnte ich mir eine kurze Pause und wollte nicht schieben, aus irgendeinem Grund hat das auch wirklich geklappt in diesen 2 Minuten (glaube ich) verspürte ich keine Welle, keinen Druck und ich war sowas von entspannt. Nach dieser kurzen aber sehr entspannten Pause, kam noch eine Welle und unser Sohn war mit einem Schwupps geboren.

Maksim ist am 22.10.2017 und 20.02 Uhr mit 50cm und 3175g und einem Kopfumfang von 35cm geboren. Nun lag das kleine Bündel Glück auf meiner Brust, ich kann euch nicht beschreiben wie sich das anfühlt endlich das Lebewesen zu sehen welches neun Monate im Bauch war. Liebe, Glück, Glückseligkeit, Frieden ich finde kein passendes Wort.

Nach ca. 15 min folgt in der Regel die Nachgeburt in der sich die Plazenta löst. Bei mir war dies aber nicht der Fallt. Die Hebamme und Ärztin versuchte es mit Akkupunktur, einer Nelkenmassage, ein Mittel zur Wehen Förderung wurde mir intravenös verabreicht, mit ansetzten des Kindes zum stillen und ziehen an der Nabelschnur. Die Plazenta wollte und wollte nicht kommen und wurde dann operativ entfernt werden. Ich war froh aber auch überrascht, dass zuerst viele alternativen zur OP versucht wurden und erst als es nach ca. 1 Stunde wirklich nicht voran ging hat man mich in den OP gebracht. Die OP dauerte glaube ich keine 20 Minuten.

Gerne möchte ich noch erwähnen, dass ich mich auf die Geburt mit dem Epi No vorbereitet habe. Durch die täglichen Übungen nach der 37 SSW und dem richtigen atmen und schieben währen der Geburtswellen, ist mein Damm ganz geblieben, bzw. nicht eingerissen. Was mich sehr gefreut hat.

Die Geburt hat ungefähr 24 Stunden gedauert, was sich sehr lange anhört. Jedoch muss ich sagen, dass ich sehr froh bin um diese Zeit. Für mich war die Schwangerschaft eine wunderschöne Erfahrung. Diese 24 Stunden waren für mich notwendig um mich auf eine Art von meinem Baby im Bauch zu lösen. Es war nun nicht mehr nur mein kleiner Schatz, nicht nur ich konnte ihn mehr spüren. Hätte die Geburt z.B. nur drei Stunden gedauert, wäre ich total überrumpelt gewesen. So konnte ich mich wirklich psychisch und auch seelisch darauf vorbereiten, dass ich bald kein Baby im Bauch mehr habe. Die Natur weiss halt schon ganz genau wieso, weshalb und warum etwas genau so geschieht wie es geschieht.

So wie es war, war es genau richtig. Nichts würde ich ändern. Wenn ich heute, an diesen Tag zurück denke habe ich ein Lächeln auf den Lippen.

In Liebe,

Aleksandra

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